È piccerella (1922)
Elvira Notaris Filme sind einzigartige Zeugnisse des Lebens in den 1920er Jahren in Neapel. Die Stadt ist in zahlreichen Außenaufnahmen präsent und spielt mit ihrem Lebensgefühl, den großen Straßenfesten, nächtlichen Feuerwerken und einer überall präsenten Musik eine zentrale Rolle. „È piccerella“ entstand nach dem gleichnamigen Lied von Salvatore Gambardella mit dem Text von Libero Bovio, das auf dem Liederwettbewerb von Piedigrotta hohe Popularität erlangte und seitdem ein Klassiker der neapolitanischen Volksmusik ist. In „È piccerella“ verbindet Elvira Notari, wie auch in ihren anderen Filmen, melodramatisch gefärbten Realismus mit der lokalen Musikkultur. Das war selten für das damalige italienische Kino, das seine Blüte in den 1910er Jahren mit Monumental-Filmen wie „Cabiria“ oder „Die letzten Tage von Pompeji“ erlebte und welches in den 1920er Jahren vor allem Genrefilme wie die populäre „Maciste“-Serie hervorbrachte.
- Erscheinungsdatum
- 1922-12-01
- TMDB
- 5.8 / 10 (6)
- Laufzeit
- 1 Std. 2 Min.
- Genres
- Drama, Liebesfilm
- Regie
- Elvira Notari
Besetzung
- Eduardo Notari — Gennariello
- Rosè Angione — Margaratella
- Alberto Danza — Tore
- Antonio Palmieri — Carluccio
- Elisa Cava — Tore's and Gennariello's mother
- Signora Duval — Rosa
Wissenswertes
Neapolitanische Nächte - È Piccerella ist ein italienisches Stummfilm-Drama der Regisseurin Elvira Notari aus dem Jahr 1922. Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen neapolitanischen Canzone von Salvatore Gambardella, dessen Text von Libero Bovio verfasst wurde. Der Begriff Piccerella bezeichnet im Neapolitanischen eine Frau, die sich als unerfahrenes und naives Mädchen präsentiert, tatsächlich aber berechnend und gerissen ist.
Hintergrund
E’ Piccerella wurde von der Gesellschaft Dora Film des Ehepaars Notari produziert und auf vier Rollen vertrieben. Der Film kam im Dezember 1922 in die italienischen Kinos. Eine restaurierte Fassung wurde erstmals am 27. November 2018 von dem deutsch-französischen Fernsehsender Arte unter dem Titel Neapolitanische Nächte - È Piccerella ausgestrahlt.
Das neapolitanische Stummfilmkino wurde maßgeblich von den Notaris und der Dora Film bestimmt. Ein Kennzeichen der Filme ist die enge Bindung an die volkstümliche neapolitanische Musik, die vielfach die Motive lieferte. Typisch für die Filme der Notaris ist die Begleitung durch neapolitanische Sänger, die die Filmvorführungen begleiteten.
In den 1920er Jahren wurde Neapel zum Schauplatz einer umfangreichen Produktion von Filmen, deren Handlung in den von Armut, Alkoholismus und Kriminalität geprägten Vierteln der Stadt angesiedelt war. Zu diesen Filmen gehört auch E’ Piccerella.
Elvira Notaris Kino war das Kino der Armen, einschließlich der armen italienischen Einwanderer in New York City und anderen Großstädten. In ihren Spielfilmen vermischte Notari immer wieder Dokumentaraufnahmen mit Spielszenen. Auch in E’ Piccerella nutzte sie, beginnend mit der Eingangssequenz, eine Reihe von Aufnahmen neapolitanischer Stadtansichten, Straßenszenen und traditioneller Feste.
Notaris Produktionen wurden häufig von der faschistischen Zensur verboten, da sie nicht das von der Regierung gewünschte Bild der italienischen Gesellschaft zeichneten. Das trug dazu bei, dass fast alle der mehr als 60 Spielfilme und mehr als 100 Dokumentationen Notaris verschollen sind. Erhalten sind nur drei, ’E scugnizze oder Mandolinata a mare von 1917, ’A Santanotte und E’ Piccerella, beide aus dem Jahr 1922.
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