Shandurai und der Klavierspieler (1998)
L'assedio
Shandurais (Thandie Newton) Mann, ein freundlicher Dorflehrer in Afrika, wird wegen einigen unbedachten Bemerkungen ins Gefängnis gesteckt. Daraufhin zieht sie nach Italien und arbeitet dort als Aushilfe und Putzfrau bei dem wohlhabenden Klavierlehrer Kinsky (David Thewlis), bei dem sie zugleich auch wohnt. Kinsky verliebt sich in die dunkelheutige Dame. Als er erfährt, dass sie ihn nur lieben würde, wenn er ihren Mann aus dem Gefängnis holt, verkauft er nach und nach sein Hab und Gut...
- Erscheinungsdatum
- 1998-02-05
- TMDB
- 6.6 / 10 (70)
- Laufzeit
- 1 Std. 33 Min.
- Genres
- Drama, Liebesfilm
- Regie
- Bernardo Bertolucci
Besetzung
- Thandiwe Newton — Shandurai
- David Thewlis — Jason Kinsky
- Claudio Santamaria — Agostino
- John C. Ojwang — Singer
- Massimo De Rossi — Patient
- Veronica Lazăr — Piano Buyer
- Paul Osul — Piano Buyer
- Gianfranco Mazzoni — Piano Buyer
- Maria Mazetti Di Pietralata — Piano Buyer
- Cyril Nri — Priest
- Andrea Quercia — Child Pianist at Concert
- Elena Perino — Child at concert
Wissenswertes
- Auszeichnungen: 0 · Nominierungen: 1
Shanduraï und der Klavierspieler ist ein Spielfilm von Bernardo Bertolucci aus dem Jahre 1998. Das vom italienischen Fernsehen RAI produzierte Kammerspiel ereignet sich in einem alten, abgewohnten römischen Palazzo an der Spanischen Treppe und unterhalb der Kirche Santa Trinità dei Monti. Noch während der Produktion entschied er sich, den Fernsehfilm von ursprünglich fünfzig auf neunzig Minuten auszuweiten und ihn damit für das Kino zugänglich zu machen. Das Drehbuch verfasste er gemeinsam mit seiner in Afrika aufgewachsenen Ehefrau Clare Peploe in Anlehnung an die Kurzgeschichte Die Belagerung von James Lasdun.
Hintergrund
Bertolucci lebte seit 1981 in London und kehrte für diese Aufnahmen vorübergehend nach Italien zurück. Das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit seiner britischen Frau Clare Peploe, einer Filmschauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin, die in Tansania geboren ist, in Kenia aufwuchs und als Muttersprache Kisuaheli spricht.
Über diesen Film äußerte Bertolucci: „Ich wollte eine empfindsame und prophetische Fantasie über das künftige Gesicht von Rom zeichnen. Rassenmischung ist noch neu für Italien, aber sie beschleunigt sich, und ich wollte das Schwindelgefühl mit diesen beiden Fremden teilen, die in einer Stadt leben, welche sie verzaubert.“ Zu den Produktionsbedingungen meinte er: „Ich fand die Freude an der Schöpfung in völliger Freiheit wieder.
Bertolucci bereitete sich mehrere Jahre lang auf die Herausforderung vor, mit den neuen digitalen Kameras und Bildbearbeitungen „nicht nur einen Film, sondern auch Kino zu machen“. Er wollte mehr als nur Spezialeffekte herstellen, um die konkreten Möglichkeiten des Digitalfilms zu erkunden. Dabei gefiel ihm die Idee, einen weitgehend wortlosen Film zu drehen, und verglich dies mit den Ursprüngen des Films, der als Stummfilm begann.
Während er früher ein betont politisches und diskursives Kino gemacht habe, dokumentiere dieser Film die allgemeine Enttäuschung über die ausgebliebenen Reformen nach 1989. Das Politische ziehe sich hier zurück auf die „rohe Konfrontation, ohne Worte, rassisch, sozial, politisch, mit einer poetischen Projektion der äußeren Wirklichkeit und dem Äußern dieser Kollision.
In diesem Haus, das zwischen einem U-Bahn-Eingang und der Spanischen Treppe an der Piazza di Spagna gelegen ist, schrieb nach Angaben von Tullio Kezich im Jahr 1888 Gabriele D’Annunzio seinen Roman Il piacere (Lust ). In den Filmkritiken wurde oft auf Bertoluccis Filmsets in „düsteren Innenräumen“ von großbürgerlichen Wohnungen hingewiesen wie schon in Der letzte Tango in Paris (1972) und später in Die Träumer (2003).
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