Anders als die Andern

Anders als die Andern (1919)

Der Violinvirtuose Paul Körner (Conrad Veidt) wird von dem Stricher Franz Bollek (Reinhold Schünzel) erpresst. Als Körner sich weigert, immer mehr Geld an den Erpresser zu zahlen, zeigt Bollek ihn wegen Verstoßes gegen den § 175 an. In dem folgenden Gerichtsverfahren hält Dr. Magnus Hirschfeld (der sich selbst spielt) eine flammende Rede für Akzeptanz von und Toleranz gegenüber Homosexuellen. Bollek wird wegen Erpressung verurteilt. Paul Körner wird allerdings ebenfalls verurteilt: wegen Vergehens gegen den § 175.

Erscheinungsdatum
1919-05-28
TMDB
7.1 / 10 (57)
Laufzeit
1 Std. 35 Min.
Genres
Drama
Regie
Richard Oswald

Besetzung

Wissenswertes

Anders als die Andern, ein Spielfilm von Richard Oswald, der 1919 unter Mitwirkung von Magnus Hirschfeld entstand, war einer der ersten Filme, die offen das Thema Homosexualität behandelten. Er handelt von einer Erpressungsgeschichte mit tödlichem Ausgang.

Hintergrund

Der Film kann als der erste überhaupt angesehen werden, der das Thema Homosexualität offen behandelte. Er entstand in einer Zeit, in der in Deutschland keine staatliche Filmzensur existierte, nachdem der „Rat der Volksbeauftragten“ in einem Aufruf an das deutsche Volk am 12. November 1918 verkündet hatte: „Eine Zensur findet nicht statt. Die Theaterzensur wird aufgehoben.“

Die Uraufführung erfolgte am 28. Mai 1919 als Sondervorstellung im Berliner Apollo-Theater und dann am 30. Mai 1919 im Prinzeß-Theater. Der Film, in der für die damalige Zeit hohen Anzahl von 40 Kopien gestartet, entwickelte sich zum Skandalfilm und entfachte neben anderen „Sitten-“ und „Aufklärungsfilmen“ eine heftige Kulturdebatte, in der von konservativer und reaktionärer Seite vehement die Wiedereinführung der Zensur gefordert wurde.

Nach Wiedereinführung der Filmzensur durch das 1. Reichslichtspielgesetz am 12. Mai 1920 wurde der Film noch im selben Jahr am 18. August 1920 verboten, die Kopien vernichtet., obwohl das Verbot die Vorführung zuließ „vor bestimmten Personenkreisen, nämlich Ärzten und Medizinalbeflissenen, in Lehranstalten und wissenschaftlichen Instituten.“

Magnus Hirschfeld drehte 1927 den Dokumentarfilm Gesetze der Liebe und verwendete für das Thema Homosexualität eine gekürzte Fassung des Films Anders als die Andern. Gesetze der Liebe fiel kurz nach Erscheinen ebenfalls der Zensur zum Opfer. 1928 wurde der Film zum ersten Mal in der Sowjetunion aufgeführt. Im Zentralen Staatsarchiv der UdSSR für Film- und Fotodokumente wurde eine Version mit ukrainischen Untertiteln aufbewahrt.

1982 wurde für das 1. SchwulLesbische Filmfest in Frankfurt am Main die gekürzte Fassung als 16-mm-Kopie vom Stadtmuseum München ausgeliehen, die ukrainischen Untertitel übersetzt und während der Vorführung eingelesen. Die Originalfassung von Anders als die Andern ist nicht mehr erhalten. Die Filmkopien sind nach dem Verbot zerstört worden. Weite Teile des Filmes gingen dadurch unwiderruflich verloren.

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